Frenk Meeuwsen: ZEN OHNE MEISTER

Frenk Meeuwsen: ZEN OHNE MEISTER

Zen und die Kunst, einen Comic zu zeichnen

avant Verlag, 286 Seiten

Der niederländische Maler zeichnete mit ZEN OHNE MEISTER seinen ersten Comic. Über seine persönlichen Lebensthemen: Zen. Japan. Kampfkunst.

Und er erzählt nebenbei in vielen kurzen, nur thematische verknüpften Kapiteln, warum wir Westler von der Zen Mischung aus Philosophie und Glauben, aus Handlungsanweisung und Gefühl oder Sehnsucht so fasziniert sind – und dem Zen-Weg doch immer nur nah kommen können. Weil Zen in Asien über viele Jahrhunderte tief ins kulturelle Leben eingedrungen ist, dort Architektur, Essen, Kleidung, Glauben und Handeln und Denken beeinflusst hat. Wir können ihn also (wie ander kulturelle Importe) nur auf unsere Weise erfassen, adaptieren und für uns passend machen.

Von so einer Adaption, einer intensiven Forschungsreise und dem Versuch, Zen ins eigene Leben zu integrieren erzählt Frenk Meeuwsens Comic. In Schwarz-Weiß Bildern, die träumerisch das Hier und Jetzt mit Gedanken an Gestern, Zen oder seine Kunst vermischen.

Er erzählt vom Export des Zen in den 50er Jahren in den Westen, teilt seine Gedanken über Besitz und Verlust, beschreibt seine Reisen in Japan, erzählt von seiner Kindheit und Jugend in den Niederlanden und seiner anderauernden Suche nach dem Zen-Weg. Er beschreibt, was Kunst, Tod, Malerei oder Kampf mit Zen zu tun haben – oder zu tun haben können, wenn man den Weg wählt.

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Jarret Kobek: ICH HASSE DIESES INTERNET

Jarret Kobek: ICH HASSE DIESES INTERNET

Fischer, 363 Seiten

Die Lektüre fällt in eine Zeit persönlicher Social Media Zweifel. Obwohl ich auf Twitter (als das noch ein reiner Techi-Club war), Instagram und Facebook seit Jahren unterwegs bin und ja sogar Geld damit verdiene, anderen zu erklären, wie es geht.

Die Vorbehalte könnte ich wie folgt zusammenfassen: Was soll der Scheiß? Und darin bestärkt einen dieser Roman. ICH HASSE DESES INTERNET erzählt von Adeline und Freunden, die direkt oder indirekt mit den US Internet-Giganten zu tun haben, mit dem Silicon Valley und den unfassbaren Mengen Geld, die dort hinein und hinausströmen, San Francisco und die Welt verändern.

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Byung-Chul Han: Psychopolitik: Neoliberalismus und die neuen Machttechniken

Byung-Chul Han: Psychopolitik: Neoliberalismus und die neuen Machttechniken

S. Fischer Wissenschaft, 128 Seiten

Wie sagte mein Schwager richtig: „Der Mann schreibt Sätze, die unser Zeitungshalbwissen, die irgendwie nur halb formulierfähigen Beschreibungen unserer Gegenwart auf den Punkt bringen.“
Und richtig, so liest sich dieses schmale Bändchen mit einem Titel, der komplizierter klingt, als die Beschreibungen, Analysen und Deutungen im Buch. Vielleicht ist Han deswegen so beliebt – und umstritten: weil man auch ohne Soziologie oder Kulturwissenschaftliches Studium, versteht, was er meint. Und weil es eine gewisse Offenheit und Vorläufigkeit seiner Gedanken in Kauf nimmt, statt auf 1000 Seiten mit 1000 Fußnoten vermeintlich abschließende Erkenntnisse zu präsentieren. Weil er flüssig, pointiert, erhellend schreibt – leider immer noch in Deutschlands Wissenschaftsbetrieb eher ungewöhnlich.

Knapp 120 Seiten braucht er, das geneigte Hirn ans Arbeiten zu bringen, in sehr kurzen, manchmal nur drei Seiten umfassenden Kapiteln, verdichtet er seine eigenen Gedanken und die dazu passenden großer Denker (Marx, Foucault, Agamben, Kant,…) zu griffigen Thesen. Nicht zu allgemein und dann beliebig, nicht zu speziell, um nur sehr begrenzt gültig. Seine Thesen und Deutungen regen zum Weiterdenken, weiterschreiben an, können Debatten anstoßen.

„Mein System kennt keine Grenzen“ (Blumfeld)

Worum geht es? Kurz gesagt: Han betrachtet unsere Gesellschaft und uns als Individuen als vom Neoliberalismus voll und ganz durchdrungen – vermeintlich freie Sklaven. Seine Schlüsselbegriff: Selbstoptimierung. Das ist die eigentliche „Psychopolitik“ die uns fertig macht, die Gesellschaft zersetzt, die Politik und die sozialen Systeme. Sie macht passiv, macht uns zu Selbstausbeutern, Burn-Outies und bloßen Konsumenten.
„Das Ich als Projekt, das sich von äußeren Zwängen und Fremdzwängen befreit zu haben glaubt, unterwirft sich nun inneren Zwängen und Selbstzwängen in Form von Leistungs- und Optimierungszwang.“

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Stephen King: Das Leben und das Schreiben

Stephen King: Das Leben und das Schreiben

Mit drei Vorworten und drei Nachträgen und einem voran gestellten Lebenslauf in Prosa ist das Buch eine Art „Work in Progress“. Darin die zwei mehr oder minder unveränderten Kapitel „Der Werkzeugkasten“ und „Über das Schreiben“. Nicht mehr und nicht weniger IST das Buch. Eine Autobiografie, ein Werkstattbericht, ein Ratgeber – und liest sich wie ein Roman vom King.
Der Lebenslauf schildert Erinnerungen und Momente, die King als bestimmend für seinen Weg zum Autor empfindet. Lässig erzählt er die Erlebnisse eines jungen Mannes mit Ambitionen und Sitzfleisch – aus dem sich durch viele Jahre üben der Autor irgendwann herausschält, der weiter macht, immer weiter und dann diesen einen Anruf von seinem Agenten bekommt, den sich alle Autoren wünschen. Sein Buch (Carrie) wurde für 400.000 Dollar verkauft. Der Rest ist Geschichte – im wahrsten Sinne. Hier gibt es eine kurze Leseprobe.

5 simple Regeln
King erzählt nach diesem Durchbruch über die Methoden und Mittel, die sich für ihn in nun über 50 Jahren Schreiben als funktionierend herausgestellt haben – und er hat auch Ratgeber gelesen, Seminare besucht und gegeben. Die Formel ist einfach und für jeden machbar: Viel lesen, viel schreiben. Und dann noch ein paar sprachliche Hinweise beachten: Adverbien hassen, Passiv lassen und ansonsten die rhetorischen und grammatikalischen Regeln befolgen – solang man nicht sicher ist, dass man es gut macht. Ab da darf man auch ein bisschen mehr spielen. King erzählt etwas über gute Beschreibungen und ihren dosierten Einsatz, weil es nur das Setting der Situation ist, die man erzählen will. Er zeigt gute und sehr schlechte Dialoge und warum es beides gibt. Überhaupt: Als Profi könne man auch von schlechten Büchern viel lernen – allerdings sei er zu alt heute, um sich seine Zeit von schlechten Büchern stehlen zu lassen. Da reicht ihm manchmal schon ein schiefes Bild oder eine lächerliche Metapher, um das Buch wegzulegen.

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